Forschungspreis

Walter Schulz Stiftung verleiht Forschungspreis an jungen Wissenschaftler

Neue Wege in der Behandlung von Blutkrebs: Zeitlich begrenzte Therapien bei chronischer lymphatischer Leukämie zeigen vielversprechende Ergebnisse

(v.l.n.r.): Stiftungsvorstand Otto Schwarz, Vorstandsmitglied Prof. Dr. med. Wolfgang Eiermann, Botschafterin Ulrike Kriener, Priv.-Doz. Dr. med. Dr. nat. med. Othman Al-Sawaf, Prof. Dr. Clemens Wendtner und Vorstandsmitglied Prof. Dr. med. Heinz Höfler.

Die Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL), der häufigsten Form von Blutkrebs bei Erwachsenen, hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Statt klassischer Chemotherapie kommen heute moderne, zielgerichtete Medikamente zum Einsatz. Diese greifen gezielt Schwachstellen der Krebszellen an und sind oft sehr wirksam – müssen bislang jedoch meist über viele Jahre hinweg eingenommen werden.
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. med. Dr. nat. med. Othman Al-Sawaf von der Uniklinik Köln hat nun untersucht, ob diese Therapien auch zeitlich begrenzt eingesetzt werden können, ohne an Wirksamkeit oder Sicherheit zu verlieren. Für seine Arbeit hat ihn jetzt die Walter Schulz Stiftung mit ihrem wissenschaftlichen Beiratsvorsitzenden Prof. Dr. Clemens Wendtner mit dem Forschungspreis 2025 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Laudatio auf den Preisträger hielt die Schauspielerin Ulrike Kriener, die sich als Botschafterin der Stiftung engagiert.

Weniger Belastung, mehr Lebensqualität

Für Patientinnen und Patienten ist diese Frage von großer Bedeutung: Eine Therapie mit festgelegter Dauer könnte Nebenwirkungen reduzieren, therapiefreie Zeiten ermöglichen und die Lebensqualität deutlich verbessern.
In einer großen internationalen klinischen Studie mit über 900 neu diagnostizierten CLL-Patientinnen und -Patienten wurden verschiedene moderne Behandlungsansätze miteinander verglichen. Ein Teil der Teilnehmenden erhielt eine dauerhaft angelegte Therapie, während andere mit zeitlich begrenzten Kombinationstherapien behandelt wurden, die nach einer festgelegten Dauer beendet wurden.

Ergebnisse machen Hoffnung

Die Ergebnisse sind vielversprechend: Bei vielen Patientinnen und Patienten erwies sich die zeitlich begrenzte Therapie als ebenso wirksam wie eine dauerhafte Behandlung. Entscheidend war dabei, wie stark die Leukämie durch die Therapie zurückgedrängt werden konnte. In vielen Fällen blieb die Erkrankung auch nach Ende der Behandlung über längere Zeit unter Kontrolle – ohne dass eine weitere Therapie notwendig war. „Mit den umfangreichen Daten aus der CLL17-Studie können wir nur individuelle Therapieentscheidungen ableiten und so die Behandlung von Patienten mit CLL weiter personalisieren“, so Al-Sawaf.

Internationale Aufmerksamkeit für wichtige Erkenntnisse

Die Studienergebnisse wurden erstmals im Dezember 2025 auf der weltweit größten Fachtagung für Hämatologie in Orlando (USA) vorgestellt – vor einem internationalen Fachpublikum von über 15.000 Expertinnen und Experten. Zeitgleich erschien die Veröffentlichung in einer der führenden medizinischen Fachzeitschriften.
Neue Perspektiven für die Krebsbehandlung
Die große Resonanz zeigt: Diese Erkenntnisse könnten die Behandlung der CLL nachhaltig verändern. Eine individuell angepasste, zeitlich begrenzte Therapie bietet eine vielversprechende Alternative zur bisherigen Langzeitbehandlung.
Damit rückt ein neues Ziel in den Fokus der Krebsmedizin: nicht nur das Überleben zu sichern, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen spürbar zu verbessern.
Seit 1980 fördert die Walter Schulz Stiftung Institutionen und Kliniken im Bereich der Krebsforschung. Der Wissenschaftliche Beirat vergibt den Forschungspreis jährlich an junge Wissenschaftler:innen (in der Regel nicht über 40. Lebensjahr), die in der Tumorforschung eine hervorragende Leistung erbracht haben. Die Arbeiten müssen in einem international anerkannten, wissenschaftlichen Journal publiziert sein.


Walter Schulz Stiftung verleiht Forschungspreis 2024 an Dr. med. Till Braun für wegweisende Arbeit zu Nebenwirkungen der CAR-T-Zelltherapie

(v.l.n.r.): Prof. Dr. med. Heinz Höfler, Vorstandsmitglied der Stiftung, Prof. Dr. med. Clemens Wendtner, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats, Preisträger Dr. med. Till Braun, Prof. Dr. med. Wolfgang Eiermann, Vorstandsmitglied und Otto F. Schwarz Vorstandsvorsitzender der Walter Schulz Stiftung. Bildquelle: Krafthand Medien

Die gemeinnützige Walter Schulz Stiftung hat ihren renommierten Forschungspreis 2024 an den Assistenzarzt und Wissenschaftler Dr. med. Till Braun von der Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln verliehen. Ausgezeichnet wurde Dr. Braun für seine richtungsweisende Forschungsarbeit zum Thema:
„T-Zell Lymphome nach CAR-T Immuntherapie: molekulare Untersuchung einer neuen Krankheit“.

Die Laudatio auf den Preisträger hielt die Schauspielerin und Botschafterin der Stiftung Ulrike Kriener.
CAR-T-Zelltherapien zählen zu den innovativsten Ansätzen in der modernen Krebsmedizin. Dabei werden körpereigene Abwehrzellen gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und vernichten können. Unter anderem beim Multiplen Myelom, einem bösartigen Knochenmarkkrebs, haben diese Verfahren in den letzten Jahren bemerkenswerte Erfolge erzielt – auch bei Patientinnen und Patienten, bei denen vorherige Therapien nicht erfolgreich waren.


In seiner ausgezeichneten Arbeit berichtet der erst 29-jährige Dr. Braun über einen Patienten, bei dem sich nach einer CAR-T-Zelltherapie eine neue, bislang kaum beschriebene Komplikation entwickelte: Eine unkontrollierte Vermehrung entarteter T-Zellen, die selbst das ursprünglich künstlich eingebrachte Erkennungsmerkmal – den sogenannten Chimären Antigen-Rezeptor (CAR) – trugen.
Besonders bedeutsam: Bereits vor Beginn der Therapie ließ sich im Erbgut des Patienten eine genetische Vorbelastung nachweisen, die mit einem erhöhten Risiko für Blutkrebserkrankungen verbunden ist. In Kombination mit weiteren genetischen Veränderungen nach der CAR-T-Zelltherapie kam es schließlich zur Entstehung der bösartigen Zellen.


„Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen innovativer Krebstherapien wie der CAR-T-Zell-Therapie frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend für deren sichere und wirksame Anwendung. Unser Arbeit unterstreicht die Bedeutung einer engen wissenschaftlichen Begleitung dieser dynamisch wachsenden Behandlungsmethode.“, betont Dr. Braun.


Seine Arbeit wurde im April 2025 in der internationalen Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht und gilt als bedeutender Beitrag für die Weiterentwicklung personalisierter Krebstherapien und das Management potenzieller Nebenwirkungen moderner Immuntherapien.

Prof. Dr. Clemens Wendtner, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung, wählte den Preisträger unter 39 Bewerbungen aus. „Uns erreichten viele sehr beeindruckende Arbeiten. Doch Dr. Braun hob sich mit seiner Forschung noch einmal ab.“, so Wendtner.
Die Walter Schulz Stiftung würdigt mit dem Forschungspreis jährlich herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Hämatologie und Onkologie, die einen konkreten Nutzen für Patientinnen und Patienten versprechen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1980 konnten zudem Forschungsprojekte und medizinisches Gerät im zweistelligen Millionenbereich gefördert werden.